Levedags Mühle in Bevergern
   
Das Gebiet der Stadt Hörstel ist reich an Mühlen gewesen. Auch heute noch gibt es einige Zeitzeugen, die es sich lohnt anzusehen. Aus diesem Grunde entsteht in Zusammenarbeit der vier Heimatvereine Bevergern, Dreierwalde, Hörstel und Riesenbeck sowie der Stadtverwaltung Hörstel ein Rad- bzw. Wanderweg, der die zu diesen technischen Denkmälern führt. Eine sinnvolle Einbindung in überregionale Mühlenpfade wird angestrebt.
   
Auf Bevergerner Gebiet gibt es noch eine Windmühle, die Levedags Mühle. Diese ehemalige Turmwindmühle besaß vor 1900 noch ihre Flügel. Im Jahr 2004 erhielt die Mühle eine neue Haube.
   

Levedags Mühle vor 1900
Nach Ende ihrer Nutzung verfiel sie zunehmend.

Levedags Mühle vor 1900
Nach Ende ihrer Nutzung verfiel sie zunehmend.
 
Der untere Teil der Mühle dürfte ein ehemaliger Bastions- und Geschützturm gewesen sein. Er ist mit kleinen Bruchsteinen gemauert. Die obere Hälfte besteht aus sorgfältig behauenen Sandsteinquadern. In der nordwestlichsten Ecke des ‚Hagens’ war ein exponierter Standort mit freiem Schussfeld in Richtung Hörstel. Die äußere Wallgrabenzone mit Mersch- und Mörchengraben wurde nach 1652 durch den Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (reg. 1650-1678) angelegt.
Das Tuch- und Wandmacheramt hatte in Bevergern große Bedeutung. Neben Rheine, Telgte, Dülmen, Warendorf, Metelen und Nienborg gehörte Bevergern zu den größten Tuchmacherorten des Münsterlandes. 35 Meister begründeten 1599 die Gilde der Wandmacher. 1747 scheint dieses alte Amt eingegangen zu sein. Im Jahre 1765 wurde dann das Amt mit 30 Meistern neu errichtet. Die Bestätigung durch den Kurfürsten erging am 21.12.1769. Ab 1770 wird das alte Gildebuch fortgeführt. Es durften grobe Tuche in brauner und grauer Farbe hergestellt werden. Im Staatsarchiv Münster sind noch Tuchproben erhalten, u. a. aber auch welche von roter Farbe. Die im Münsterland verbliebene Wolle vermischte man mit sächsischer, um sie zu groben Tuchen zu verarbeiten, zu „Soldaten-, Schiffer- und Bauerntuch“, das „in der Nachbarschaft abgesetzt oder von Bevergern aus auch nach Ostfriesland zur Kleidung der Schiffer ausgeführt“ wurde. Vor der Verarbeitung musste das Wollgewebe mit Holzhämmern gewalkt und gestoßen werden, um es zu verfilzen und zu verdichten. Bereits 1654 hatten die Wandmacher zu Bevergern erstmals die Genehmigung zum Bau und Betrieb einer eigenen Walkemühle beantragt, weil die Bedingungen auf der Walkemühle des Klosters Gravenhorst immer ungünstiger geworden waren. Nachdem sie mehrfach an der Opposition des Klosters gescheitert waren, beantragten sie 1785 erneut eine Konzession. Beim Fürstbischof in Münster hatten sie um eine Walkmühle „suppliziert“ (ein Bittgesuch eingereicht).
Die Windmühle bei Bevergern (Kleimühle) käme nicht in Frage, da dort nur Korn gemahlen würde. Im Jahre 1786 tauchten Gerüchte auf, dass die preußische Regierung plane, im Grenzgebiet an der Aa (Ibbenbüren) eine neue Mühle zu errichten. Wiederum verzögerte sich die Erteilung wegen der Einsprüche seitens der Mühlenbetreiber in Rheine und Gravenhorst. Ende 1797 wandten sich die Tuchmacher Bevergerns nochmals an die Regierung in Münster um eine eigene Walkmühle. Die Beamten in Rheine konstatierten, dass dadurch der „fürstlichen Kornwindmühle in Bevergern (Kleimühle) kein Schaden entstehen dürfe“. Auch der Wunsch der Äbtissin von Gravenhorst, dass „nicht alle Tuchsorten gewalkt werden dürften“, wäre nicht so gravierend. So empfahlen sie für 1804 die Anlage einer Walkmühle in Bevergern, wenn „dort nur die Tuche der Ortsansässigen bearbeitet würden“. Diese zeitliche Fixierung erklärt sich aus der Laufzeit des Pachtvertrages des Müllers zu Rheine. Auch die fürstliche Hofkammer schloss sich dieser positiven Begutachtung an. Es geschah jedoch, dass der Kurfürst bereits am 01.05.1799 die Konzession zur Anlage der neuen Walkmühle auf dem 'Stupplacken' von Bevergern auf städtischem Grund und Boden in der Nähe der Bevergerner Aa erteilte.
Der 'Stupplacken', auch 'Stübbeplacken' genannt, war eine größere Flur, die nördlich und südlich der Bevergerner Aa, westlich der Langen Stiege (heutige Stüwwestraße) lag. Es scheint aber so, dass die Mühle an diesem Ort nie gebaut, sondern auf dem alten Bastionsturm im Hagen errichtet wurde. Möglicherweise hatte hier auch schon ein Vorgängerbau gestanden. Es war nicht unüblich, dass sich die Windmühlentürme an den Standards des Festungsbaus orientierten, wie der Mühlenturm zu Werth zeigt (Mauerstärke unten 2,30 m; nach oben hin auf einen Meter verjüngend). Die Walkmühle wurde mit Wind betrieben, nachweislich die einzige im Oberstift Münster.
Mehrere Anzeichen sprechen für die Annahme der Örtlichkeit am Merschgraben. 1803 ging das Fürstbistum an Preußen über. In einem ersten Bericht wird „die Benutzung der Windmühle und der Walkmühle, die auch mit Wind betrieben wird“, erwähnt. Am 29.05.1817 berichtet der Amtmann Jessele: „Die Bevergerner Aa treibt keine Mühlen, außer bei Rheine [Hemelter Mühle], sie hat wenig oder gar kein Gefälle. Bei Trockenheit verliert sich alles Wasser. Sie tritt im Frühjahr und Herbst häufig über“.
Im Urkataster von 1827/28 ist in der Flur 'Stübbeplacken' keine Mühle eingezeichnet, wohl aber im 'Hagen' (Windmühle mit Mühlenplatz). In einer Lithographie von Adolph Esselbrügge (1812-1856) von etwa 1845 ist Levedags Mühle eindeutig als Turmwindmühle erkennbar.
Im Staatsarchiv Münster sind Pläne erhalten, die den Teilquerschnitt und die Teilseitenansicht der Walketurmwindmühle zeigen, die zwischen Januar und März 1798 entstanden sind. Das genaue Baudatum konnte noch nicht genau ermittelt werden; soweit zu sehen ist, wurde sie aber erst im Jahre 1804 errichtet. Dieses hing vermutlich mit der Auflösung des Fürstbistums Münster 1803 zusammen.
Ende des 19. Jahrhunderts waren die Flügel und die hölzerne Galerie noch vorhanden, wie uns ein altes Foto zeigt. In den 1990er Jahren wurde die Galerie erneuert und der Turm aufgestockt. Im Sommer 2004 wurde dem Turm eine neue Haube aufgesetzt.